Alto Sotillo - Rubiejo


Weingut
Über viele Jahre hinweg war es still in Sotillo de la Ribera, einem der wichtigsten Weindörfer in der Gründungsphase der D.O. Ribera del Duero. Es gab Ismael Arroyo mit dem ValSotillo, Félix Callejo und eine Cooperative, die ab und an ihren Namen wechselte, und eine Blutwurstmanufaktur.

Das änderte sich schlagartig, als Miguel und Carlos Calvo Crespo beschlossen, die Trauben ihrer Weingüter nicht mehr an Ramón Arroyo zu verkaufen und stattdessen ihren eigenen Wein kelterten. Zum einen riss es ein riesiges Loch in die Qualitätsphilosophie von Arroyo, da dies die zentralen Weinberge für seine Reservas und Gran Reservas waren und zum anderen tauchte damit ein neues, qualitätsorientiertes Weingut im Nordosten der D.O. auf.

Die Geschichte ist die vieler Güter in Ribera del Duero. Die Elterngeneration verdiente ihren Lebensunterhalt als Weinbauern. Die Genossenschaften und die damals noch eher seltenen Privatweingüter waren bequeme Abnehmer der Trauben. Mit dem Eintritt der nächsten Generation begann dann das Projekt eigene Bodega. Das ist nicht immer einfach, auch Alto Sotillo mußte anfangs Lehrgeld bezahlen. Abgesehen von einigen Experimenten im heimischen Keller war der Jahrgang 2002 der Debütjahrgang der Bodega. Miguel und sein Bruder Carlos teilten die Arbeit auf: der eine (Miguel) hauptsächlich in den Weinbergen, der andere (Carlos) in der Bodega. Dazu gab es noch einen ausgebildeten Önologen, damit das auch alles seine Richtigkeit hat.

Im Programm von Alto Sotillo fand man in den ersten drei Jahren die klassische Staffelung: Rosado, Joven, Roble, Crianza und Reserva. 2005 begann Miguel dann mit dem Ausbau von zunächst einem, ab 2006 dann von zwei Terroirweinen, Evolución und Fusión. Auch stieg die Zahl der abgefüllten Flaschen stetig. Inzwischen ist die Bodega bei etwa 70.000 Flaschen Jahresproduktion angelangt. Von nun an ist nicht mehr unbedingt die Steigerung der Produktion wichtig, sondern die Verlagerung hin zu Terroirweinen, hin zu mehr Individualität.

Klassischer Kopfschnitt, alte Weinberge, ökologisches Arbeiten, geringe Ernte - auf diesen vier Säulen basiert die Philosophie der Bodega. Von einem kleinen Versuchsweinberg einmal abgesehen, ist alles andere in klassischem Kopfschnitt gezogen. Miguel ist sich sicher, dass gerade in einer Zeit, in der viel über Klimaveränderung gesprochen wird und sich zumindest heiße Sommer häufen, der Schutz der Trauben vor zu intensiver Sonneneinstrahlung entscheidend ist, nicht etwa die Suche nach möglichst viel Sonneneinstrahlung. Geschnitten wird im Gobelet-Stil, gedüngt wird, wenn überhaupt, alle zehn Jahre mit Schafsdung. Nicht den Ökoweinrichtlinien entsprechende Mittel bleiben draußen. Gelesen wird in der Regel schnell. Binnen zehn Tagen ist zumeist alles in der Bodega. Selektiert wird zweimal, einmal vor der Ernte in den Weinbergen und zudem noch einmal bei der Traubenannahme auf einem Selektionstisch. Vergoren wird mittels Spontangärung, Reinzuchthefen werden nicht eingesetzt. Miguel, der nach dem Umzug von Carlos gen Santander nun auch die Weinbereitung mit übernommen hat, ist ein Freund der raschen malolaktischen Gärung. Schon Ende Dezember ist sie in der Regel beendet. Im Februar kommen Roble, Crianza und die Terroirweine in die Barricas. Derzeit sind es vor allem Fässer aus amerikanischer Eiche, französisches Holz ist den Terroirweinen vorbehalten.

 

 


uralte Rebstöcke

ein Besuch im Weinberg

Familie Crespo Calvo mit Wolfgang Behrens